Buch · Rezension

Rezension: Die Schwarzen Musketiere: Das Buch der Nacht

cover_schwarzemusketiere_1Überblick:
  • Titel: Die schwarzen Musketiere: Das Buch der Nacht (Band 1)
  • Autor: Oliver Pötzsch
  • Ausgabe: Kindle Rezensionsexemplar, 320 Seiten (12,99€)
  • Verlag: bloomoon / arsEdition (3. September 2016)
  • Empfehlung:
    empf_4_sterne
Inhalt:

„Die Schwarzen Musketiere – Das Buch der Nacht“ hat mich sehr an Die drei Musketiere von Alexandre Dumas erinnert, aber auch an Der Spiegel der Königin von Nina Blazon. Oliver Pötzschs Geschichte beginnt jedoch sehr viel düsterer mit dem Tod von Lukas Eltern, die vom hinterhältigen Inquisitor Waldemar von Schönborn getötet werden. Dieser ordnet auch Lukas Tod an, was ihn dazu zwingt, ohne seine Schwester zu fliehen. Gejagt und allein begibt er sich auf eine gefährliche Reise durch das vom 30-jährigen Krieg gebeutelte Deutschland und kämpft zunächst ums nackte Überleben. Doch durch einen glücklichen Zufall trifft er nach einiger Zeit auf eine Truppe fahrender Gaukler und Schaukämpfer unter denen er echte Freunde findet. Gemeinsam mit ihnen macht er sich auf die Suche nach seiner kleinen Schwester und stellt sich sowohl dem übermächtigen Inquisitor als auch dem bedrohlichen Kriegsalltag entschlossen entgegen.

Rezension:

„Einer für alle und alle für einen.“

Das Thema der Musketiere zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und es hat mir wirklich gut gefallen, wie die Freundschaft zu Giovanni, Jerome und Paulus Lukas die Kraft und den nötigen Mut gibt, weiterzumachen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Ich liebe Bücher über Freundschaft und ich finde, dass die vier Jungs ein super Team sind. Sie unterstützen und helfen sich, halten einander den Rücken frei und geben einander den Mut, auch in scheinbar ausweglosen Situationen nicht aufzugeben. Aber mindestens genauso wichtig ist es für mich, dass sie sich gegenseitig hinterfragen und fordern. Sie haben ihre eigenen Persönlichkeiten, Meinungen und Erfahrungen, die sie gemeinsam weiterbringen, als sie es alleine je geschafft hätten.

Besonders wichtig für die Geschichte ist diese Freundschaft auch deshalb, weil sie dem Grauen und der Kälte des Krieges eine warme innere Stärke und Zuneigung entgegenstellt. Durch den Kontrast werden beide Seiten deutlicher und wie ich finde wirkungsvoller. Dadurch vermittelt das Buch dem Leser einen sehr bewegenden Einblick in die Realität der vom 30-jährigen Krieg Betroffenen, seien es nun Kriegswaisen, Landsknechte oder Bauern. In meinem Geschichtsunterricht über diese Zeit habe ich keinen so eindrucksvollen Einblick in dieses Thema bekommen, weil er sich hauptsächlich mit Daten und Statistiken beschäftigte. Lukas Reise zeigt einem hingegen die Verzweiflung und die Not der Menschen, aber auch die menschliche Wärme von Vertrauen und Loyalität. Und wem sich Fragen angesichts der älteren oder auf den Schwertkampf bezogenen Begriffe stellen, bietet der Glossar schnellverfügbare Antworten.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, war die emotionale Nähe zu Lukas. Als Leser konnte ich sowohl seine widersprüchlichen Gefühle für seine kleine Schwester (sie kann zwar eine riesige Nervensäge sein, aber eigentlich hat er sie lieb und wird alles tun, um sie zu finden) als auch seine späteren Sorgen nachfühlen, wenn er schwierige Entscheidungen treffen muss und im Kampf ums Überleben seine eigenen Prinzipien auf dem Prüfstand stehen.

Was ich ein wenig problematisch fand, ist der etwa einjährige Spannungsbogen des Buches. Einerseits gibt er Lukas die Zeit, zu wachsen und zu reifen. Als Leser ist man bei dieser Entwicklung dabei und weiß, welche Erlebnisse ihn prägen. Andererseits gab es auch immer wieder Phasen, in denen der Spannungsbogen etwas durchhängt, weil nichts passiert und auch die Geschichte nicht wirklich voran kommt. In diesen Phasen hätte ich mir eine deutlichere innere Entwicklung von Lukas gewünscht, denn so haben diese Spannungsdurchhänger den Lesefluss hin und wieder stocken lassen. Ein weiterer, aber kleiner Kritikpunkt ist, dass die Hintergründe des Krieges vielleicht etwas klarer hätten sein können. Es wird zwar der Zweck und die Absicht des Krieges hinterfragt, aber es bleibt unübersichtlich, wer genau gegen wen kämpft und warum.

Fazit:

Für mich ist „Die Schwarzen Musketiere – Das Buch der Nacht“ eine „Die Drei Musketiere“-Erzählung für Jugendliche in der Zeit des 30-jährigen Krieges. Es ist aber auch ein Gegenstück zu „Der Spiegel der Königin“, das sich mehr mit der Schlachtfeldrealität als mit den politischen Hintergründen auseinandersetzt. Aber vor allem ist es ein sehr schönes Buch über Freundschaft und die Treue zu sich selbst. Ich kann es sehr empfehlen und bin gespannt auf die Fortsetzung.

***Herzlichen Dank an die arsEdition, die mir das Buch über NetGalley zur Verfügung gestellt haben.***

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