Buch · Rezension

Rezension: Erst denken, dann zahlen

Überblick:
Cover_Erstdenkendannzahlen
Quelle: Klett-Cotta Verlag
  • Titel: Erst denken, dann zahlen: Die Psychologie des Geldes und wie wir sie nutzen können
  • Autorin: Claudia Hammond
  • Verfügbare Ausgaben: Broschiert (18,95€) & e-Book (14,99€)
  • Verlag: Klett-Cotta Verlag
  • Genre: Sachbuch
  • Empfehlung:
    empf_4_sterne

***Herzlichen Dank an den Klett-Cotta Verlag, der mir das Buch über NetGalley für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt hat.***

Zum Inhalt:

Was das Geld mit uns macht, wie es uns unbewusst beeinflusst, lenkt und manipuliert, zeigt dieses bestens recherchierte und an Beispielen aus dem Alltag reiche Buch zur Psychologie des Geldes. Das eigene Bankkonto kann davon profitieren. Sie haben Ihre Finanzen im Griff? Über den Tisch ziehen lassen Sie sich nicht? Sicher? Claudia Hammond zeigt in ihrem ebenso kurzweiligen wie gut informierten Buch, wie irrational unser aller Verhältnis zum Geld ist. […] (Quelle: Klett-Cotta Verlag)

Rezension:

Geld dürfte eines der Themen sein, mit denen sich jeder von uns beschäftigen muss, ob nun notgedrungenerweise oder mit Freude. Als Studentin komme ich natürlich auch nicht darum herum, mir zu überlegen, wie ich mein Geld bestmöglich einsetzen kann. Da die Anzahl an Möglichkeiten jedoch schier unendlich ist und die Werbemenschen immer cleverer werden, können finanzielle Entscheidungen schnell nervenaufreibend werden. Obwohl ich glaube, dass ich recht gut mit meinem Geld umgehe, hat mich Hammonds Buch sofort neugierig gemacht, denn es kann ja nicht schaden, mehr über die verborgenen Mechanismen zu erfahren, die mich unbewusst und heimlich zum Geldausgeben verleiten. Ich war also sehr gespannt und hatte hohe Erwartungen, als ich mit dem Lesen anfing und kann erfreulicherweise sagen, dass ich nicht enttäuscht wurde.

Das Buch ist eine Schatztruhe an hilfreichen und nützlichen Tipps, die Claudia Hammond dem Leser in einer gelungenen Mischung aus persönlichen Anekdoten sowie den Ergebnissen zahlreicher wissenschaftlicher Studien präsentiert. Besonders gut hat mir dabei ihr Schreibstil gefallen. Dieser ist nämlich nicht trocken oder hochtrabend wie man es bei einem Buch über Geld möglicherweise erwarten oder befürchten könnte, sondern angenehm locker und humorvoll. Die Studienergebnisse integriert Hammond leicht nachvollziehbar in ihre Argumentation und gibt manches Mal zu, dass auch sie selbst mit gewissen Dingen so ihre Probleme hat.

„Geld muss nicht immer nur einem speziellen Zweck gewidmet sein. Es steht für Auswahlmöglichkeiten. Man tut gut daran, es zu haben, auch wenn man noch nicht weiß, was man damit kaufen will. Irgendwann in der Zukunft wird man etwas wollen oder brauchen, und wenn man genug gespart hat, kann man sich dieses Etwas auch leisten.
In meinem Fall war es leider so, dass ich das Geld für die Laute verplempert habe.“ (Position 353)

Das macht sie für mich sehr sympathisch und die vielen, hin und wieder auch sehr konkreten Ratschläge, die am Ende noch einmal übersichtlich zusammengefasst werden, verlieren dadurch den schulmeisterlichen Anstrich und lassen sich viel leichter beherzigen.

„Es mag falsch sein, sämtliche Erkenntnisse der psychologischen Forschung gleich in die Tat umzusetzen. Aber wenn Sie im Servicebereich tätig sind, sollten Sie nach heutigem Wissensstand idealerweise ein rotes Oberteil tragen und Gäste leicht am Arm berühren, wenn Sie die Rechnung auf einem herzförmigen Teller überreichen und dabei einen Witz zum Besten geben. Wenn Sie hingegen ein Gast sind und der Kellner im roten Oberteil Sie am Arm berührt, während er Ihnen die Rechnung auf einem herzförmigen Teller präsentiert und dabei einen Witz reißt, sollten Sie kurz innehalten und überlegen, wie gut der Service wirklich war, bevor Sie ein Trinkgeld geben.“ (Position 1841)

Auch sehr gut gefallen hat mir, dass Hammond mit vielen Querverweisen arbeitet und sich immer wieder auf vorige oder auch kommende Kapitel bezieht. So fiel es mir leicht, mich zurecht zu finden und einzelne Studien, Personen sowie Argumente in den größeren Rahmen einzuordnen. Spannend fand ich auch, dass einige Tipps nur noch für bestimmte Generationen gelten, da sich zum Beispiel mit der Einführung vom und dem zunehmenden Übergang zum bargeldlosen Bezahlen auch unser Verhältnis zum Geld ändert. Studien zu Folge ist es bisher besser gewesen, Dinge mit echtem Geld zu bezahlen, weil es uns schwerer fällt, uns davon zu trennen und uns dieser Umstand hilft, einen besseren Überblick über unsere Ausgaben zu behalten. Ich persönlich bevorzuge dennoch das bargeldlose Bezahlen, weil es mir das Gefühl gibt, nichts vergessen zu können und die Zahlen in meinem Onlinebanking sind für mich genauso „real“ wie das Münzgeld in meinem Portemonnaie. Hammond vermutet hier, dass sich zukünftige Generationen, die vermehrt bargeldlos aufwachsen, in eine ähnliche Richtung entwickeln werden.

Generell haben mir die einzelnen Punkte viel Stoff zum Nachdenken gegeben. In einigen habe ich mich wiedererkannt und andere haben mich dazu gebracht, meinen eigenen Standpunkt zu hinterfragen. Vor allem in den späteren Kapiteln gab es jedoch einige Stellen, dich mich stutzen ließen. Bei manchen lag es daran, dass ich mir die Formulierungen etwas klarer gewünscht hätte. An anderen war ich jedoch auch mehr als skeptisch. Zum Beispiel bei diesem Satz:

„So großzügig es ist, eine Niere zu spenden, so ist es doch relativ risikoarm.“ (Position 4465)

Auch wenn es sicher sehr nobel ist, eine Niere zu spenden, bin ich persönlich nicht der Meinung, dass man es als „risikoarm“ bezeichnen kann oder sollte. Der Mensch hat ja nicht umsonst zwei davon und chirurgische Eingriffe sind leider immer mit einem nicht zu unterschätzenden Risiko sowie möglichen Komplikationen verbunden. Davon aber abgesehen warnt Hammond an anderer Stelle ganz deutlich, dass das Thema Spenden ein kompliziertes ist und auch eines, bei dem wir nicht immer die besten Entscheidungen treffen. Zum Beispiel haben Studien herausgefunden, dass es uns (interessanterweise) leichter fällt, uns dazu zu verpflichten zukünftig Geld zu spenden. Aber nur weil es uns leichter fällt, weil es im Moment „weit weg“ zu sein scheint, heißt das noch lange nicht, dass es auch gut für uns ist.

Schlussendlich heißt es also auch beim Thema Geld: Prioritäten setzen und mit kühlem Kopf möglichst überlegt handeln. Denn:

„Egal, wie reich man auch ist –  alles kann man nicht haben. Unser Leben wird aber definitiv lebenswerter, wenn wir uns auf die Dinge konzentrieren, die uns am meisten Freude machen.“ (Position 5034)

Fazit:

Erst denken, dann zahlen ist unterhaltsam geschrieben und enthält viele nützliche Tipps und Strategien zum Geld ausgeben, sparen und verdienen. Mein eigenes Verhältnis zu Geld verstehe ich jetzt besser und werde in Zukunft so manche Ausgaben wohl noch einmal überdenken.

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