Buch · Rezension

And The Trees Crept In

Beitragsbild_And the Trees Crept In

Überblick:

  • Titel: And The Trees Crept In
  • Autorin: Dawn Kurtagich
  • Verfügbare Ausgaben: Taschenbuch (ca. 8,99€) und gebunden (17,99€)
  • Verlag: Little, Brown Books for Young Readers (September 2016)
  • Genre: Horror, Young Adult
  • Empfehlung:
    empf_4_sterne

Inhalt:

„When Silla and Nori arrive at their aunt’s home, it’s immediately clear that the „blood manor“ is cursed. The creaking of the house and the stillness of the woods surrounding them would be enough of a sign, but there are secrets too–the questions that Silla can’t ignore: Who is the beautiful boy that’s appeared from the woods? Who is the man that her little sister sees, but no one else? And why does it seem that, ever since they arrived, the trees have been creeping closer?“ (Quelle: Amazon)

Rezension:

Dieses Buch habe ich mir wegen des Klappentextes und der Minirezensionen auf dem Buchrücken bestellt. Bei Beschreibungen wie „A beautifully written, gorgeous nightmare of a novel.“ (David Arnold) und „Dark, twisted, and terrifying“ (Susan Dennard) konnte ich einfach nicht widerstehen. Besonders, wenn es im Herbst kalt und immer früher dunkel wird, gibt es für mich kaum etwas Schöneres als mich mit einem guten Buch auf der Couch einzukuscheln. Hin und wieder, besonders in der Zeit um Halloween, genieße ich es dann auch, mich mal so richtig zu gruseln. Ihr auch? Dann kann ich euch And the Trees Crept In aus drei Gründen sehr empfehlen.

1. Es lebt von seiner schaurigen Atmosphäre.

Es fängt, wie wohl bei fast jedem guten Horrorroman, mit der Atmosphäre und dem Setting an. Wir begegnen Silla und Nori auf dem letzten Stück des Weges zum Haus ihrer Tante. Mitten in einer regnerischen Nacht marschieren sie müde, erschöpft und mutterseelenallein durch einen dunklen Wald, um es dorthin zu schaffen. Das Haus selbst ist blutrot, groß, und heruntergekommen, aber die Mädchen sehen ihn ihm dennoch ein Refugium, was mich sofort aufhorchen ließ und mir viele Fragen mit auf den weiteren Leseweg gegeben hat.

I sat down beside Nori and turned her over, resting her head in my lap. She was fast asleep, so I leaned down and kissed the top of her head.
„We found it. We found the jewel.“
I stared around me, taking in the entrance hall. So dark. So empty. Safe. We were safe at last.

(Seite 13)

Das Haus wie der Wald nehmen im weiteren Verlauf der Geschichte eine immer zentralere Rolle ein bis sie mehr Ähnlichkeit mit Nebencharakteren als bloßen Schauplätzen haben. Wenn ihr schon mal in einem alten, knarzenden Haus übernachtet und eine Nachtwanderung durch einen finsteren Wald gemacht habt, muss ich euch wohl nicht lange erklären, welch großartiges Gruselpotential sich daraus ergibt. Und jetzt stellt euch vor, dass euch der Wald nach der Wanderung folgt und seine knorrigen Äste und Wurzeln nach dem alten Haus ausstreckt, das euch knackend mit einem eisigen Windzug in seine undurchdringliche Dunkelheit schließt …

I glance through the glass.

The trees are closer.

The thought manifests without warning.
I resist. No. No they aren’t. 
They are. The trees are closer than they were yesterday.

(Seite 53)

Ist euch bei dieser Aussicht ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen? Mir auch und er wurde noch verstärkt von der Aufmachung und der bruchstückhaften Art in der die Geschichte erzählt wird.

2. Es wird bruchstückhaft aus verschiedenen Perspektiven erzählt.
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Die Geschichte ist in sechs Bücher gegliedert, die, wie die einzelnen Kapitel, mit kurzen Versen und an düstere Kinderreime erinnernde Gedichte beginnen. Innerhalb der Bücher finden wir dann verschiedene Perspektiven. Da sind zum Beispiel die Rückblenden zu drei kleinen Mädchen, die vor Silla und Nori in dem Haus gelebt haben. Hin und wieder findet man auch Seiten, die Tante Cathy mit einigen Schreibmaschine geschriebenen Zeilen zu Wort kommen lassen oder in kindlichem Gekrakel Noris Sicht schildern:

The man is in the corner again. His head touches the ceiling, and he still has to bend! Even though it is very dark, I see him because he’s darker. It’s much less lonely now that he’s come to play. Oh, the games we play! But we have to play at night, in the dark. But that’s okay because I’m not scared anymore. He told me the secret. But I’m scared of making Silla angry.
[…]
I rund on my toes to the corridor and then I go down, down, down into the basement.
My friend follows.
And we play.

(Nori’s Sicht, Seite 80)

Und dann ist da natürlich Sillas Sicht, aus der der Großteil der Geschichte erzählt wird, sowohl als fortlaufende Erzählung wie man das gewöhnt ist. Aber auch in Form von bruchstückhaften Einblicken, die man auf kurzen, verbrannten Notizen und in zunehmend verwirrter und ängstlicher wirkenden Tagebucheinträgen findet.

When I go to check on Nori, she is sitting in her room, staring at the corner again and grinning like an idiot. I might be bold and take one of Cath’s old dolls. It’s not healthy for a seven-year-old to be alone so much. The fact that she finds walls so interesting is proof enough.

[Teil einer verbrannten Notiz:]
We are so alone here. We’re beginning to feel it. I don’t know if Nori does. But I do. All the time. What’s happening?

(Sillas Sicht, Seite 105)

Diese verschiedenen Perspektiven sind wie Puzzleteile, die man im ganzen Haus verstreut findet und erst einmal sortieren und einordnen muss bis sie nach und nach ein immer beängstigenderes Bild ergeben. Sie sorgen dafür, dass man den Figuren einerseits sehr nahe kommt, sich jeder einzelnen von ihnen aber gleichzeitig auch immer ein bisschen entfremdet fühlt. Denn man  findet ja nicht nur Sillas Tagebucheinträge, sondern auch Noris Gekrakel und Cathys Beobachtungen. Man fühlt mit den Figuren mit, sorgt sich um sie, spürt Sillas wachsende Furcht und Selbstzweifel. Das hat dafür gesorgt, dass ich den Geschehnissen mit der Zeit genauso dringend auf die Spur kommen wollte — ach was, musste! — wie Silla.

3. Die Figuren und ihre Beziehungen zueinander sind komplex.

Vielleicht habt ihr es selbst schon erlebt: Es gibt Bücher, die eine spannende Geschichte über ein junges Mädchen, das sich aus widrigen Umständen befreien muss versprechen und stattdessen eine kitschige Liebesgeschichte über eindimensionale Charaktere erzählen, in der die Antwort auf alle Probleme der gut aussehende Love Interest ist. Ich muss zugeben, dass mich die Erwähnung des „beautiful boy“ im Klappentext deswegen ein bisschen nervös gemacht hat. Zum Glück kann ich euch nach der Lektüre versichern, dass das geschilderte Szenario eine Sache ist, vor der ihr euch in diesem Buch wirklich nicht fürchten müsst.

Die Figuren sind allesamt mehrdimensional. Sie haben Schwächen und Stärken, versuchen, das richtige zu machen, hadern mit sich und machen Fehler. Silla zum Beispiel will für ihre kleine Schwester da sein und sie beschützen, ist von der schwierigen Situation aber zunehmend überfordert und lässt ihren Ärger versehentlich an Nori aus.

My mouth is open and my eyes are open and my palm is open. Stinging.
Nori has staggered, but she looks up at me, cupping her cheek, and she laughs, like this is a joke. A game.
My heart cracks
breaks
falls out of me.
Because that tiny, mute laugh is one of disbelief, forgiveness, alarm, shock
and then her eyes change, widen, fill up with water
she is crying
and I wish there was sound so that I could hear what I have done, but she ist still trying to smile at me like, It’s ok, Silla, it’s okay, like I’m the one who is hurting, and I am staring at my hand and it is still burning and
I hit Nori.
[…]
What have I done?
Who am I?

(Seite 212)

Diese Zeilen zu lesen tat weh und hat in mir einen wahren Gefühlssturm ausgelöst. Denn Dawn Kurtagich schafft es, diese Situation sowie auch die ganze Geschichte auf eine Art und Weise zu erzählen, dass man versteht warum die Charaktere so handeln, wie sie es tun.  Man fühlt Sillas Hilflosigkeit, die sie dazu getrieben hat, fühlt ihr Entsetzen und ihren Selbstekel während einem das Herz für sie und Nori bricht. Das Zitat zeigt eines der extremeren Beispiele, aber die Komplexität ist allen Beziehungen und Figuren im Buch zu finden.

Deswegen könnte selbst der schönste Junge der Welt Sillas Probleme nicht einfach verschwinden lassen und so erzählt das Buch tatsächlich genau die Geschichte, die es verspricht: Eine Geschichte über Hoffnung und Vertrauen, Angst und (enttäuschte) Liebe, aber vor allem über ein junges Mädchen, das über sich hinaus wachsen muss, um sich und ihre kleine Schwester aus einer furchtbaren Situation zu befreien.

Fazit:

And The Trees Crept In ist eine bedrückende Geschichte, die unter die Haut geht. Die verschiedenen Perspektiven und Texte des Buches geben der Geschichte eine unwiderstehliche, verworrene Vielschichtigkeit, die mich mich bis zur letzten Seite bangen und hoffen ließ. Deshalb kann ich euch das Buch sehr empfehlen, zu Halloween genauso wie zu jeder anderen Zeit im Jahr. Mein einziger, aber kleiner Kritikpunkt ist, dass es für mich ruhig noch kleines bisschen gruseliger hätte sein dürfen.


Kennt ihr das Buch? Welche Horror- und oder Halloweenlesetipps habt ihr?

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