Buch · Rezension

„Jetzt pack doch mal das Handy weg“

Inhalt:

Cover_Jetzt pack doch mal das Handy weg
Ullstein Buchverlage. ISBN: 978-3548377193. 272 Seiten. 9,99 €

Kinder, die auf Handys starren: Der richtige Umgang mit Tablets und Smartphones ist zur erzieherischen Mammutaufgabe geworden. Wie können Eltern dem WhatsApp-Dauerchat etwas entgegensetzen? Sind handyfreie Zeiten sinnvoll? Was sind die Erfolgsrezepte anderer Familien? Deutschlands versiertester Medienexperte hat mit Eltern, Psychologen und Erziehern gesprochen und zeigt, wie wir uns exklusive Zeit für die Familie zurückerobern. (Quelle für Cover und Klappentext: ullstein-buchverlage.de)

Herzlichen Dank an die Ullstein Buchverlage, die mir das Buch über NetGalley für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt haben. 

Rezension:

Obwohl ich selbst keine Kinder habe, hat mich der Titel „Jetzt pack doch mal das Handy weg!: Wie wir unsere Kinder von der digitalen Sucht befreien“ sofort angesprochen. Ich erwische mich nämlich nicht selten dabei, wie ich gedankenverloren auf meinem Handy herumtippe ohne mich daran zu erinnern, was genau ich eigentlich damit machen wollte. Das ist zwar in den meisten Fällen nicht schlimm, aber ärgerlich ist es schon. Von Feibels Buch habe ich mir deshalb in erster Linie Tipps gewünscht, die mir dabei helfen mein eigenes Verhalten zu ändern. Zu meiner großen Freude, sieht Feibel das ganz ähnlich:

Erziehung bedeutet immer auch ein hübsches Stück Selbsterziehung.

(Position 138)

Diese Betonung der Vorbildfunktion zieht sich durch alle Kapitel des Buches und war für mich ein echtes Highlight. Denn ich kann mich erinnern, dass ich als Kind mit den Regeln, die nur für mich galten, an die sich meine Eltern jedoch nicht hielten, die größten Probleme hatte. Wenn man also möchte, dass sich die Kinder sinnvoller mit ihrem Smartphone beschäftigen, dann erscheint es mir eine zwingend logische Maßnahme zu sein, es ihnen auch so vorzuleben statt mit Verboten zu arbeiten, die im Zweifelsfall mehr Schaden anrichten als helfen.

„Wenn das Kind kein Smartphone bekommt, wäre das ein Prozess der kommunikativen Ausgrenzung.“

(Dr. Knop, Position 680)

Trotzdem geht es Feibel nicht darum, mit dem Finger auf Schuldige zu zeigen. Vielmehr lädt er den Leser zur Selbstreflexion ein und versucht, mögliche Wissenslücken, die im Zusammenhang mit der Technik, den gesetzlichen Regelungen oder Problematiken bestehen können, zu schließen. Zum Beispiel was Altersgrenzen für gängige Social Media Plattformen, Manipulation durch Werbung, das Recht am eigenen Bild oder das Urheberrecht angeht. Zudem teilt er die Erfahrungen, die er im Lauf seiner beruflichen Karriere gesammelt hat und gibt Hilfestellungen für die (gemeinsame) Erarbeitung sinnvoller Regeln. Besonders überzeugend fand ich in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass Feibel nicht nur Experten sondern auch Kinder und Jugendliche zu Wort kommen lässt und so ein breites Spektrum an Perspektiven zu einem sinnvollen Gesamtbild zusammenfügt. Zu guter Letzt werden am Ende jedes Kapitels die wichtigsten Informationen und Tipps in kurzen (Check-)Listen zusammengefasst. Das sorgt zwar für etwas Redundanz, hilft aber auch dabei, die vielen Informationen zu verarbeiten und die Tipps umzusetzen.

Regeln sind nicht dazu da, aus Kindern gehorsame Befehlsempfänger zu machen, sondern sollen sie schützen. Vor falschen Inhalten, vor überlangem Konsum und auch ein bisschen vor sich selbst.

(Position 1506)

Einige dieser Tipps habe ich inzwischen umgesetzt: Zum Beispiel rufe ich nur noch die wirklich wichtigen Emailkonten über mein Smartphone ab und ich habe alle (Push-)Benachrichtigungen, Pieptöne, etc., die nicht lebensnotwendig sind, ausgeschaltet. Das sorgt dafür, dass mich mein Handy jetzt deutlich weniger ablenkt, ich generell entspannter und konzentrierter damit umgehen kann. Auch von den anderen Tipps möchte ich noch welche umsetzen, aber der erste Schritt zu einem besseren Vorbild ist getan und macht sich schon bemerkbar.

Fazit:

„Jetzt pack doch mal das Handy weg“ ist kurzweilig, informativ und bietet viele konstruktive Anregungen. Die verschiedenen Perspektiven geben einen differenzierten Einblick in die Bedürfnisse aller Parteien und ergänzen sie mit Hilfe wissenschaftlicher Erkenntnisse zu einem Leitfaden für die Thematik, der auch von denjenigen Leser gut umgesetzt werden kann, die mit Smartphones und Technik nicht so viel am Hut haben.

empf_4_sterne

Wisst ihr, wie viel Zeit ihr täglich mit eurem Handy verbringt und ist das gut so oder vielleicht zu viel? Gibt es Dinge, die euch an eurer eigenen Handynutzung oder der eurer Familie oder Freunde stören und wie geht ihr damit um? 

3 Kommentare zu „„Jetzt pack doch mal das Handy weg“

  1. Ich habe mir mit meinem Handy eigene Regeln auferlegt und ich glaube, das funktioniert ganz gut so:
    Sobald ich mich mit Freunden/Bekannten treffe, verschwindet das Handy. Entweder mit Bildschirm nach unten auf den Tisch oder in irgendeiner Tasche und wird nicht angefasst. Das erwarte ich von denen übrigens auch.
    Wenn ich alleine bin, ist alles ein bisschen lachser. Aber ich muss zugeben: Seit ich Twitter auf meinem Handy habe, schau ich da öfter Mal drauf … daran muss ich noch ein bisschen arbeiten 😉

    LG SIna

    Gefällt 1 Person

  2. Im ersten Moment hat mich der Titel ein wenig abgeschreckt, aber bereits in deiner Rezension wurden alle Zweifel, die ich an den Ratgeber hatte ausgeräumt. 🙂 Generell war mein Smartphone nie wirklich überladen mit Apps, aber mittlerweile habe ich noch einmal aussortiert und hatte auch mal eine Zeit lang Twitter runter geworfen (was dazu führte, dass ich es wirklich kaum noch genutzt habe). Mittlerweile ist Twitter wieder drauf (Bilder über den Mac posten ist wirklich lästig) aber ich schaue trotzdem weniger drauf.

    Das Vorleben ist wirklich super wichtig. Ich merke das mittlerweile auch schon bei der großen Kleinen. Wie kann man etwas „verbieten“ wenn man es selbst macht? Bei uns war das auch immer ein Problem. Ich wollte zwar nie rauchen und habe es nie getan, aber ich kann mich noch gut daran einern, wie meine Mutter mit einer Fluppe in der Hand vor mir stand und meinte mir sagen zu müssen, dass ich nicht rauchen dürfte. Ha ha

    Gefällt 1 Person

  3. Danke für die Buchempfehlung. Ich beschäftige mich sehr mit diesem und ähnlichen Themen, daher bin ich froh hier einen Hinweis auf weitere Literatur gefunden zu haben.

    Denn es ist erschreckend, wie sehr die Medien unsere Sprache und Kultur beeinflussen, und wie wenig die Menschen darüber nachdenken.

    Vielleicht wäre dieser Text für Dich von Interesse: https://www.der-leiermann.com/unsere-sprache/

    Liebe Grüße,
    Thomas.

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