Buch · Rezension

„Midnight at the Electric“

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Jodi Lynn Anderson: Midnight at the Electric. Harper Teen. ISBN: 978-0-06-239354-8. 262 Seiten

Rezension:

„Midnight at the Electric“ von Jodi Lynn Anderson hat mich voll erwischt und nicht mehr losgelassen. Ich habe es in einem Zug gelesen und konnte es, als ich die letzte Seite umblätterte, nur mit tränenüberströmtem Gesicht an mich drücken. Dass mich eine Geschichte so fesselt und – im allerbesten Sinn des Wortes – zerstört kommt nicht oft vor, aber ich habe jede Seite genossen. Dabei bin ich im Nachhinein ein bisschen überrascht, dass Andersons Konzept so gut funktioniert hat.

Das hat mehrere Gründe: Zum Beispiel ist die Geschichte sehr ruhig erzählt. Für die Figuren steht sehr viel auf dem Spiel und so wächst die Spannung mit jedem Kapitel, aber die Konflikte sind zum größten Teil innere und keine Adrenalin gesteuerten. Zudem gibt es drei Hauptfiguren, deren Geschichten ca. 150 Jahre umspannen und den Leser nicht nur in den historischen mittleren Westen der USA, sondern auch nach London und die Zukunft unseres Planeten mitnehmen.

„Well, I’ve tried to get everything in good shape. No one’s stayed in that room in years.“
„I guess this place is pretty remote,“ Adri offered.
Lily shrugged. „Nah. It’s just that I’m old and all the people I used to know are dead.“

(Adri, Seite 14)

Die Einzelgängerin Adri ist 2065 kurz davor, als Teil des Kolonisierungsprogrammes zum Mars zu fliegen, damit der Rest der Menschheit dorthin umsiedeln kann, sobald die Erde völlig verbraucht ist. Catherine lebt 1934 im von Staubstürmen geplagten Oklahoma und träumt davon, die Welt zu entdecken und dem ewigen, drückenden Staub zu entkommen. Einen Kontinent weiter ringt Lenore 1919 mit der Trauer um ihren im Krieg gefallenen Bruder während sie sich fragt, ob die Jahre der Trennung sie und ihre Kindheitsfreundin zu sehr entfremdet haben.

I want to ask Mama about Lenore, but she is the best imitator of a stone you ever met. You can have a whole conversation with her just by yourself. I’ve spent my whole life trying to read her signals. She has a way of pulling you into her silence.

(Catherine, Seite 42)

Das Buch ist nur rund 260 Seiten schlank, aber Anderson schafft es, allen Figuren so viel Tiefe und den drei Welten so viel Substanz zu gegeben, dass ich keinerlei Probleme hatte, die Figuren kennen zu lernen und in ihre Welten einzutauchen. Die drei jungen Frauen sprühen vor Leben, haben große Träume und noch größere Ängste, erringen Erfolge und erleben Schicksalsschläge. Trotzdem gehen sie ihren Weg so gut sie können und sind mir im Laufe des Buches unheimlich ans Herz gewachsen.

I smiled, despite myself. There was something about the way he treated the most horrific things that made me feel like I could breathe.

(Lenore, Seite 112)

Außerdem liebe ich Andersons Schreibstil. Für mich trifft sie genau den richtigen Ton. Ihre Figuren, deren Gedanken und Interaktionen mit Anderen wirken auf mich so echt, aber auch ein bisschen verträumt, sanft und poetisch. Die Trauer, etwas Geliebtes hinter sich zu lassen, wird dadurch nicht weniger schmerzhaft, aber Anderson verpackt sie so gekonnt, erzählt die Geschichte mit einer solchen Behutsamkeit, dass sie immer von einem Hoffnungsschimmer, der Freude darüber, etwas Neues zu entdecken, begleitet ist. Es gab so viele Momente, in denen ich mit den Figuren gelitten und gelacht habe und ich habe mir viele Stellen markiert, die mich bestärkt oder auch zum Nachdenken gebracht haben.

Fazit:

„Midnight at the Electric“ ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss. Doch dann erzählt es einem in leisen, ruhigen Tönen eine wunderschöne, emotionale Geschichte über Familie, Freundschaft und den Mut, etwas Neues zu wagen, selbst wenn man dafür etwas Anderes zurücklassen muss. Eine rasante Handlung sucht man hier vergeblich, aber die Charaktere haben sich tief in mein Herz geschlichen und die Seiten nur so dahin fliegen lassen. Jodi Lynn Anderson hat mich mit dieser Geschichte tief bewegt und vollends überzeugen können. Ganz egal worum es in ihrem nächsten Buch geht, ich werde es lesen.

empf_5_sterne

Kennt ihr die bzw. eines der Bücher von Jodi Lynn Anderson (und könnt mir Bücher empfehlen, die so ähnlich sind)? Gibt es Autoren, die euch so bewegt oder von sich überzeugt haben, dass ihr ihre zukünftigen Werke auf jeden Fall lesen möchtet?

Ein Kommentar zu „„Midnight at the Electric“

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