Essay

„The Unthinkable: Who Survives When Disaster Strikes“ oder was wir von John McClane lernen können

Amanda Ripley: The Unthinkable – Who Survives When Disaster Strikes. ASIN: B0031RS9NY. 290 Seiten (Bildquelle)

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich gucke wirklich gerne Filme und Dokumentationen, die sich mit Extremsituationen auseinandersetzen: z.B. World Wide Wetter, Alarm im Cockpit, wie sie eben alle heißen. Oft frage ich mich beim Zuschauen dann wie ich in dieser Situation wohl reagieren würde. Könnte ich einen klaren Kopf behalten, um mich und die Menschen in meiner Umgebung zu retten oder würde ich bloß überfordert in einer Ecke sitzen und müsste einfach hoffen, dass mich das Unglück übersieht? Als mir auf Goodreads das Buch „The Unthinkable: Who Survives When Disaster Strikes” von Amanda Ripley in die Timeline flatterte, war mein Interesse deshalb sofort geweckt. Denn es erklärt am Beispiel von tatsächlichen Ereignissen und den Erfahrungsberichten Überlebender, was in unseren Köpfen und Körpern vor sich geht, wenn wir mit einer Situation wie einem Unglück oder Sturm konfrontiert werden: Welche Phasen wir üblicherweise durchlaufen und welche Vor- bzw. Nachteile sich daraus ergeben.

John McTiernan: Stirb Langsam. 1988. (Bildquelle)

Mir hat das Buch wirklich gut gefallen und ich kann es sehr empfehlen. Trotzdem möchte ich euch heute nicht einfach eine normale Rezension dazu schreiben. Stattdessen habe ich mir überlegt, die praktischen Tipps, die Ripley in ihrem Buch für uns zusammengetragen hat, mit Hilfe des Erfahrungsberichtes eines Überlebenden mit euch zu teilen. Es wird euch nicht entgangen sein, dass heute Weihnachten ist und das kann eine ganze Reihe von Komplikationen und unvorhersehbaren Gefahren mit sich bringen. John McClane – unser Überlebender und Protagonist der Stirb Langsam Filme* – musste das (mehrfach) am eigenen Leib erfahren. Die Situationen, denen die meisten von uns begegnen, dürften natürlich (und zum Glück) weit hinter dem bleiben, was John passiert. Da er die Tipps jedoch so wunderbar umsetzt, können wir von seiner Erfahrung trotzdem viel lernen. Also macht es euch gerne gemütlich und lasst euch von einem, der weiß wie es geht, zeigen, wie man Desaster überlebt.

* Ich werde mich hier nur auf den ersten Film beziehen und versuchen, Spoiler so weit es geht zu vermeiden, aber versprechen kann ich es nicht. Mit ein bisschen Glück kennt ihr den Film eh alle und wenn nicht: Es lohnt sich! Guckt ihn und lest die Tipps danach. Aber da das Franchise derzeit aus 5 Filmen besteht, dürfte es nicht zu sehr überraschen, dass er zumindest den ersten Film überlebt.

1. Baut Resilienz auf

Einen Vorteil hat John den meisten von uns voraus: Er ist ein Cop und somit darauf trainiert, auch in gefährlichen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Für uns andere ist trotzdem nicht automatisch alles verloren. Studien haben herausgefunden, dass es drei Eigenschaften gibt, die Menschen auszeichnen, die Krisen effektiv meistern und sich gut von ihnen erholen:

  • Sie glauben, dass sie beeinflussen können, was ihnen passiert,
  • sie finden einen Sinn in den Herausforderungen des Lebens und 
  • sie sind überzeugt, dass sie sowohl von guten als auch von schlechten Erfahrungen etwas lernen können.

Und weil das menschliche Gehirn so anpassungsfähig ist, müssen wir nicht verzweifeln, wenn wir diese Eigenschaften noch nicht ganz unser Eigen nennen können. Denn das heißt nur, dass wir unser Potenzial noch nicht ausschöpfen und wie bei anderen Fähigkeiten gilt auch hier: Übung macht den Meister. Alles ist also eine Frage der Einstellung und an der können wir arbeiten!

In der Limousine auf dem Weg zum Nakatomi Tower. Arguile fragt John, warum er nicht mit seiner Frau nach LA kam, als diese ihren neuen Job hier annahm.

John: Weil ich ´n Bulle aus New York bin. Ich bin sechs Monate damit im Rückstand, New York sauber zu halten. Ich kann nicht einfach alles hinschmeißen und abhauen.

(John McTiernan. Stirb Langsam (1986). TC: 0:07:19.)

2. Lernt eure Nachbarn kennen

Dass John Polizist ist, ist ein glücklicher Zufall, aber im Film wie im echten Leben gilt: Die Menschen, die uns als erstes helfen können, sind die, die gerade in der Nähe sind. Wenn ein Polizist, Feuerwehrmensch oder Arzt dabei ist, Glück gehabt. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass es eben die Nachbarn sind oder die Dame, die uns im Zug gegenübersitzt oder vielleicht eine Familie, die im Auto vor uns fährt. Manche davon können wir leichter kennenlernen als andere, aber auch hier zeigt Johns Beispiel, dass es sich lohnt, es zu versuchen. Er wird von Arguile am Flughafen abgeholt und kommt auf der Fahrt mit ihm ins Gespräch. Als sie bei der Firma ankommen sind sie sich so sympathisch, dass Arguile anbietet, auf ihn zu warten und ihm eine Schlafmöglichkeit zu besorgen, falls Johns Frau ihn nicht bei sich unterbringen kann oder will. Ein zweites Beispiel ist der LA Cop Sgt. Al Powell, der zum Firmengebäude geschickt wird, um mal nach dem Rechten zu sehen und so in den Konlikt hineingezogen wird. Als Außenstehender und über Funk kann er John zwar nur bedingt helfen, aber ohne seine emotionale Unterstützung hätte John vermutlich nicht lange genug durchgehalten.

3. Senkt euer Anspannungsniveau

Bestimmt kennt ihr das: Wenn man gestresst ist, fährt man leichter aus der Haut und neigt zu Überreaktionen, die man all zu oft schon kurze Zeit später bedauert. Statt zu relativ harmlosem Bedauern kann diese Anspannung in einer Krise jedoch dazu führen, dass wir Gefahren falsch einschätzen, Informationen schlechter verarbeiten und nicht mehr in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen. Das kann wir vermeiden, indem wir unser Anspannungsniveau senken. Gelingen kann das zum Beispiel mit Hilfe von Atemübungen (Übung macht immer noch den Meister!), Yoga oder auch einigen Kampfsportarten. Wäre John heute bei der Polizei würde das rhythmische Atmen zu seinem Training gehören, aber auch in den 80ern hat er die Technik schon sehr erfolgreich angewendet und man sieht ihn immer wieder mal innehalten, um zur Ruhe zu kommen und vor kniffligen Situationen atmet er erst einmal tief durch. Und das allerschönste an der Technik ist, dass wir das ganz einfach jeden Tag, zum Beispiel in der Bahn oder im Stau, üben können.

4. Werdet fit und verliert überflüssige Pfunde

Den Tipp finde ich besonders zu Weihnachten, nachdem ich zu viel genascht habe, ein bisschen gemein, aber deshalb ist er nicht weniger wahr. Ein fitter Kopf funktioniert am besten auf einem fitten Körper. John stirbt so langsam, weil er auch körperlich fit wie ein Turnschuh und zäh wie eine alte Ledersohle ist. Es baumelt sich einfach leichter in einem Fahrstuhlschacht, wenn man weniger Kilos balancieren und festhalten muss. Man muss an dieser Stelle jedoch beachten, dass dünn und fit nicht synonym verwendet werden können und man im Zweifelsfall mit ein paar Kilos zu viel, die man dafür regelmäßig spazieren oder besser noch zum Sport trägt, besser beraten ist als wenn man zwar dünn, aber vollkommen untrainiert ist. Und auch hier hilft Übung dabei, besser mit einer Situation zurecht zu kommen: Seit ich jogge falle ich, auch wenn ich mal zur Bahn rennen muss, automatisch in ein rhythmisches Atemmuster. Wenn ich dann ankomme, bin ich zwar ein bisschen außer Atem, aber nicht in Atemnot und alles normalisiert sich schnell wieder während ich früher noch 10 Minuten japsend in den Seilen hing.

5. Schätzt die Risiken ab

An den meisten Orten sind Feuer, Blitzschläge und Überschwemmungen die größten Gefahren. Mit einem funktionierenden Feuermelder, einem Blitzableiter und einem Blick auf den Wetterbericht können wir unsere Überlebenschancen also schon deutlich in die Höhe treiben. Doch ein wachsames Auge kommt einem, wie auch unser Freund McClane zu berichten weiß, immer zu gute. Denn wenn es sicherer ist, die Gefahren im Blick zu haben, dann hilft es erst recht, auch einen Überblick über die vorhandenen Optionen und für den Fall des Falles auch die Fluchtwege zu haben. Denn wenn wir erst gestresst sind, sehen wir womöglich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. John hat während des ganzen Films ein wachsames Auge auf seine Umgebung. So ist er oft in der Lage, den Bösewichten einen knappen Schritt voraus zu sein und die Eigeheiten des Gebäudes zu nutzen, um sich aus brenzligen Situationen zu befreien.

6. Trainiert Denkmuster

Vor ein paar Wochen fand an meiner Hochschule eine Feueralarmübung statt – die erste, die ich seit meinem Studienbeginn vor zweieinhalb Jahren dort miterlebt habe. Der Alarm schrillte plötzlich los, alles schreckte auf und sah sich verwirrt um. Mir bot sich unverhofft die Gelegenheit all die Verhaltensmuster und Phasen zu beobachten, die Ripley in ihrem Buch beschreibt. Das war ein wenig ernüchternd, aber es hat mir auch gezeigt, wie wichtig diese Übungen sind. Denn sie trainieren Routinen, die wir auch im Halbschlaf können müssen, wenn uns der Feuermelder aus dem Tiefschlaf reißt. Natürlich ist es nervig im Winter für einen Probealarm in die Kälte zu müssen, aber Studien zeigen, dass wir uns Verhaltensmuster erst dann wirklich aneignen, wenn wir sie tatsächlich ausüben. Ganz egal wie albern wir uns dabei vorkommen. Als Grubers Männer die Weihnachtsparty im Nakatomi Tower crashen, macht sich John gerade frisch. Doch als erfahrener Polizist weiß er, dass ihm nur wenige Sekunden bleiben, um zu reagieren. Also flieht er barfuß und im Unterhemd von der Etage. Hätte er erst überlegen müssen oder sich noch die Schuhe angezogen, wäre er geschnappt worden. Und wir wissen doch inzwischen alle, dass es für die Geiseln immer schlecht ist, wenn die Entführer keine Skimasken tragen …

****

So, das waren sie, Ripleys Tipps. In ihrem Buch geht sie darauf natürlich viel ausführlicher ein, aber was haltet ihr davon? Denkt ihr, ihr wäret auf eine Hans Gruber Situation einigermaßen vorbereitet oder gibt es Dinge, die ihr zukünftig anders machen wollt? Welche Tipps helfen euch dabei, schwierige und oder stressige Situationen zu meistern?

Ich bin gespannt auf eure Eindrücke und wünsche euch noch ein paar ruhige, desasterfreie Weihnachtstage!

Liebe Grüße
Saskia

Ein Kommentar zu „„The Unthinkable: Who Survives When Disaster Strikes“ oder was wir von John McClane lernen können

  1. Das hört sich wirklich nah einem super interessanten Buch an O_O
    Das schreibe ich mir gleich mal auf!

    Aus verschiedenen brenzligen Situationen, die ich schon erlebt habe (Autounfall auf der Autobahn, diverse Erdbeben etc.) weiß ich ziemlich genau, wie ich in Stresssituationen reagiere. Für die ersten 30 Sekunden vergesse ich den allzu bekannten /fight or flight/ Reflex und wende mich dem dritten F zu: nämlich *freeze*. (Was so ziemlich der dümmste Reflex von allen ist.)

    Aber sobald ich einen klaren Gedanken fassen kann, bin ich danach super konzentriert und aktiv.
    Mir hilft es einfach, sehr rational zu bleiben. Emotionen helfen in solchen Situationen nämlich überhaupt nicht.

    Ach dieses Buch hat wirklich meine Neugier geweckt 🙂

    LG Sina

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